Maibrief 2020

Liebe Theaterfreundinnen und Theaterfreunde,

welch eine Zeit! Kein Tanz in den Mai, keine Ausflüge mit Familie oder Freunden, keine Besuche von Theater, Konzert, Museum, Kino.

Wir vermissen so Vieles.

Und die Theater werden wahrscheinlich die letzten Einrichtungen sein, die wieder öffnen dürfen – wenn alles gut geht, im September oder Oktober unter Einführung von grösseren Abständen auf der Bühne und im Zuschauerraum und besonderen Regelungen an Garderobe und Einlass. An den entsprechenden Plänen und Vorbereitungen wird in unserem Theater gearbeitet.
Darüber hinaus sind einige Abteilungen in der Produktion von Trennwänden, Mundschutz und Visieren für Einrichtungen im medizinischen Bereich und in der Pflege tätig.

Eine besondere Idee kommt aus der Schauspieldramaturgie: Über 50 Theater- Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter aus allen Bereichen bieten Ihnen einen BRIEFWECHSEL an. Wenn Sie interessiert sind, schreiben Sie unter Angabe Ihrer Postanschrift an Theater Bremen, Goetheplatz 1-3, 28203 Bremen zu Händen einer der folgenden Personen:

Ferdaouss Adda, Referentin für Interkulturelle Bildung
Annette Amelung, Souffleuse
Marit Bauer, Sekretariat Technische Direktion
Martin Baum, Schauspieler
Isabelle Becker, Dramaturgin Musiktheater
Franziska Benack, Produktionsleiterin
Gabriela Bizarmanis, Technische Produktionsleiterin
Polina Bogdanova, Pianistin und Solorepetitorin
Bodil Elster-Bah, Mitarbeiterin Künstlerisches Betriebsbüro
Karin Enzler, Schauspielerin
Fabian Eyer, Schauspieler Moks
Killian Farrell, Dirigent und Solorepetitor
Serifa Fischer, Mitarbeiterin Technische Direktion
Nathalie Forstman, Leiterin Junge Akteure
Katja Fritzsche, Hutmacherin und Frauenbeauftragte
Guido Gallmann, Schauspieler
Christine Gersthofer, Mitarbeiterin Personalabteilung
Nadine Geyersbach, Schauspielerin
Judith Goldberg, Schauspielerin Moks
Lena Greving, Leiterin Marketing
Derek Hakweg, Leitung Maske
Christoph Heinrich, Sänger
Brigitte Heusinger, Leitende Dramaturgin Musiktheater
Vivien Hohnholz. Regieassistentin Musiktheater
Farina Holle, Leiterin Marketing
Christian Kemmetmüller, Leiter Beleuchtungsabteilung
Irene Kleinschmidt, Schauspielerin
Diana König, Leitung Presse
Nadine Lehner, Sängerin
Dieter Leinfelder, Betriebsratsvorsitzender
Siegfried W. Maschek, Schauspieler
Alice Meregaglia, Chordirektorin
Ulrike Meyer, Sängerin
Nathalie Mittelbach, Sängerin
Gabriele Möller-Lukasz, Schauspielerin
Meret Mundwiler, Schauspielerin Moks
Rieke Oberländer, Leiterin Theaterpädagogik
Barbara Poblenz, Souffleuse
Birger Radde, Sänger
Mirjam Rast, Schauspielerin
Verena Reichhardt, Schauspielerin
Christiane Renziehausen, Theaterpädagogin
Gregor Runge, Künstlerische Leitung Tanz
Christina Schahabi, Theaterpädagogin
Marysol Schalit, Sängerin
Christian Scherfer, Leiter Bühnenbetrieb
Theresa Schlesinger, Dramaturgie Schauspiel
Carsten Schmid, Leiter der Werkstätten
Shalün Schmidt, Theaterpädagogin
Ralf Scholz, Beleuchtungsmeister
Regula Schröter, Dramaturgin Schauspiel
Sarah Schütt, Veranstaltungstechnikerin
Frank Sonnemann, Technischer Direktor
Matthieu Svetchine, Schauspieler
Antonio Stella, Tänzer
Simone Sterr, Leitende Dramaturgin Schauspiel
Zoé Stevens, Mitarbeiterin Notenbibliothek
Sieglinde Voss, Mitarbeiterin Künstlerisches Betriebsbüro
Anette Wahl, Maskenbildnerin
Josef Zschornack, Regieassistent Musiktheater

Eine ganz besondere Möglichkeit des Kontaktes zum Theater….

Wegen der bestehenden Kontaktbeschränkungen kann die für 6. Juli 2020 vorgesehene Mitgliederversammlung der Theaterfreunde an dem Termin nicht stattfinden und muss auf Herbst verschoben werden.

Das gleiche gilt für die Verleihung des Kurt-Hübner-Preises. Die Jury wird Ende Mai tagen und den Preisträger/die Preisträgerin für den Kurt-Hübner-Preis und den erstmalig vergebenen Nachwuchspreis der Theaterfreunde auswählen. Gefeiert wird dann ebenfalls im Herbst.

Bis dahin schauen viele Theaterfreunde die Streaming-Angebote einiger Bühnen.
Unser Vorstandsmitglied Rainer Glaap hat in einer Umfrage das Nutzungsverhalten für Streaming-Angebote deutschsprachiger Theater, Opern- und Konzerthäuser untersucht und resümiert:
„Diese nicht-repräsentative Stichprobe von mehr als 300 Befragten hat ergeben: Selbst theateraffine Befragte nutzen nur z.T. die zahlreichen Angebote, die durch die Pandemie angeboten werden. Die bekanntesten Anbieter sind die Öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD, ZDF, 3sat und Arte mit ihren Mediatheken, gefolgt von der Berliner Schaubühne und der Digital Concerthall der Berliner Philharmoniker. Nur die Hälfte der Befragten wäre bereit, für das digitale Angebot zu bezahlen, die Preisbereitschaft liegt dabei bei €7,31 im Durchschnitt und bei €5 als Median (gleichzeitig häufigste Nennung).
Den vollständigen Bericht finden Sie auf nachtkritik.de https://www.nachtkritik.de/index.php? option=com_content&view=article&id=18024:theater-streams-nutzen- sie-das-angebot-eine-umfrage&catid=101&Itemid=84.

Die Qualität dieser ursprünglich nicht zur Übertragung vorgesehenen Aufzeichnungen ist meist nicht besonders gut und nur ein schwacher Ersatz für das reale Theater. Hoffen wir auf die Zeit nach den Sommerferien.

Für die Zwischenzeit wünscht Ihnen beste Gesundheit
Ihre Ursula van den Busch

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Aprilbrief 2020

Liebe Theaterfreundinnen und Theaterfreunde,

wer hätte noch vor einem Monat gedacht, dass wir nun für einige Wochen oder Monate ohne Theaterbesuch auskommen müssen – und auch ohne den Besuch aller weiteren Kunst- und Kultur- Darbietungen.

Unvorstellbares ist in kurzer Zeit geschehen, die Corona-Pandemie hat unser Leben drastisch verändert.

Wann der Theaterbetrieb in Bremen weitergeht, ist noch nicht abzusehen. Das Theater entwickelt drei Szenarien: Wiederbeginn im Mai oder im Juni oder nach den Sommerferien. Wie immer es kommt, hat das Auswirkungen auf den Spielplan, der in keinem Fall mehr so gelten wird wie ursprünglich vorgesehen. Vielleicht werden wir die Premieren von FALSTAFF und DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE noch in dieser Spielzeit erleben. Andere sind verschoben, so JENUFA auf die Saisoneröffnung 2021/22.
Die THEATERTREFFEN im April und Mai fallen aus und werden in der nächsten Saison nachgeholt. Wegen der VERLEIHUNG DES KURT-HÜBNER-PREISES müssen wir noch beraten. Und die TheaterReise nach Zürich wird auch erst in der nächsten Spielzeit stattfinden.

Auch wenn wir also derzeit auf wunderbaren Kunstgenuss verzichten müssen, gibt es von vielen Kulturveranstaltern Ersatz-Angebote. Schauen Sie z. B. auf den Websites der Schaubühne Berlin, die jeden Abend eine alte Inszenierung bringt, der Staatsoper Berlin und der Deutschen Oper Berlin. Und auf der Homepage des Theater Bremen finden Sie in der Reihe „AUS DEM OFF“ kleine Videos mit Grüßen der Mitarbeiter.

Es wird eine Zeit nach der Corona-Krise geben. Bleiben Sie bis dahin optimistisch und vor allem gesund!!!

Herzlichst,
Ihre Ursula van den Busch

Botschaft zum Welttheatertag 2020

Internationales Theater Institut ITI
Weltweite Organisation für Darstellende Künste

Shahid Nadeem, Autor, Pakistan

27. März 2020

Deutsch – Gekürzte Version

Theater als Schrein

Nach dem Ende einer Vorstellung des Ajoka-Theaters über den Sufi-Dichter Bulleh Shat kam ein alter Mann zum Darsteller des großen Sufi. Der alte Mann war in Begleitung eines Jungen. „Meinem Enkel geht es sehr schlecht; würdest du ihm wohl einen Segen aufblasen.“ Der Schauspieler war verwirrt und sagte: „Babaji, ich bin nicht Bulleh Shah, ich spiele diese Rolle doch nur.“ Der alte Mann sagte: „Mein Sohn, du bist kein Schauspieler, du bist die Reinkarnation von Bulleh Shah, sein Avatar.“ Da ging uns plötzlich ein ganz neues Verständnis von Schauspielen, von Theater auf, bei dem Schauspielerinnen die Reinkarnationen ihrer Figuren werden.
Geschichten wie der von Bulleh Shah – und davon gibt es so viele in so vielen Kulturen – können eine Brücke sein zwischen uns, den Theatermachern und dem unerfahrenen aber enthusiastischen Publikum. Während wir auf der Bühne stehen, lassen wir uns manchmal von unserem Konzept von Theater mitreißen, von unserer Rolle als Vorboten sozialen Wandels, und dabei hängen wir einen großen Teil der Menschen ab.
Bei allem Engagement für die Herausforderungen der Gegenwart berauben wir uns der Möglichkeiten einer zutiefst bewegenden, spirituellen Erfahrung, die Theater bieten kann. In einer Welt, in der Heuchelei, Hass und Gewalt wieder auf dem Vormarsch sind, und unser Planet immer tiefer in eine Klimakatastrophe stürzt, müssen wir unsere spirituelle Kraft wieder auffrischen.
Wir müssen gegen die Gleichgültigkeit, Lethargie, den Pessimismus, die Gier und Rücksichtslosigkeit gegenüber unserer Welt und unserem Planeten ankämpfen. Theater spielt eine Rolle, eine edle Rolle, indem es die Menschheit stärkt und antreibt, sich aus dem Abgrund, in den sie sinkt, zu erheben. Es vermag die Bühne und den Spielort zu etwas Heiligem zu machen.
In Südasien berühren Künstlerinnen ehrfürchtig den Bühnenboden, ehe sie ihn betreten, eine uralte Tradition aus Zeiten, als das Spirituelle und das Kulturelle noch eng verbunden waren. Es wird Zeit, diese symbiotische Beziehung zwischen Künstlerinnen und Publikum, zwischen Vergangenheit und Zukunft zurückzugewinnen. Theatermachen kann eine heilige Kunst sein, und die Schauspielerinnen können sehr wohl die Avatare der Rollen werden, die sie spielen. Theater erhebt die Schauspielkunst auf eine höhere, spirituelle Ebene. Theater vermag ein Schrein zu werden, und der Schrein ein Theaterraum.

Den vollständigen Text finden Sie auf der Website des ITI unter https://www.iti-germany.de/ (Übersetzung vom englischen Original ins Deutsche: Henning Bochert, mit kleinen Anpassungen der gekürzten Fassung von Rainer Glaap, Bremen)