Aprilbrief 2020

Liebe Theaterfreundinnen und Theaterfreunde,

wer hätte noch vor einem Monat gedacht, dass wir nun für einige Wochen oder Monate ohne Theaterbesuch auskommen müssen – und auch ohne den Besuch aller weiteren Kunst- und Kultur- Darbietungen.

Unvorstellbares ist in kurzer Zeit geschehen, die Corona-Pandemie hat unser Leben drastisch verändert.

Wann der Theaterbetrieb in Bremen weitergeht, ist noch nicht abzusehen. Das Theater entwickelt drei Szenarien: Wiederbeginn im Mai oder im Juni oder nach den Sommerferien. Wie immer es kommt, hat das Auswirkungen auf den Spielplan, der in keinem Fall mehr so gelten wird wie ursprünglich vorgesehen. Vielleicht werden wir die Premieren von FALSTAFF und DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE noch in dieser Spielzeit erleben. Andere sind verschoben, so JENUFA auf die Saisoneröffnung 2021/22.
Die THEATERTREFFEN im April und Mai fallen aus und werden in der nächsten Saison nachgeholt. Wegen der VERLEIHUNG DES KURT-HÜBNER-PREISES müssen wir noch beraten. Und die TheaterReise nach Zürich wird auch erst in der nächsten Spielzeit stattfinden.

Auch wenn wir also derzeit auf wunderbaren Kunstgenuss verzichten müssen, gibt es von vielen Kulturveranstaltern Ersatz-Angebote. Schauen Sie z. B. auf den Websites der Schaubühne Berlin, die jeden Abend eine alte Inszenierung bringt, der Staatsoper Berlin und der Deutschen Oper Berlin. Und auf der Homepage des Theater Bremen finden Sie in der Reihe „AUS DEM OFF“ kleine Videos mit Grüßen der Mitarbeiter.

Es wird eine Zeit nach der Corona-Krise geben. Bleiben Sie bis dahin optimistisch und vor allem gesund!!!

Herzlichst,
Ihre Ursula van den Busch

Botschaft zum Welttheatertag 2020

Internationales Theater Institut ITI
Weltweite Organisation für Darstellende Künste

Shahid Nadeem, Autor, Pakistan

27. März 2020

Deutsch – Gekürzte Version

Theater als Schrein

Nach dem Ende einer Vorstellung des Ajoka-Theaters über den Sufi-Dichter Bulleh Shat kam ein alter Mann zum Darsteller des großen Sufi. Der alte Mann war in Begleitung eines Jungen. „Meinem Enkel geht es sehr schlecht; würdest du ihm wohl einen Segen aufblasen.“ Der Schauspieler war verwirrt und sagte: „Babaji, ich bin nicht Bulleh Shah, ich spiele diese Rolle doch nur.“ Der alte Mann sagte: „Mein Sohn, du bist kein Schauspieler, du bist die Reinkarnation von Bulleh Shah, sein Avatar.“ Da ging uns plötzlich ein ganz neues Verständnis von Schauspielen, von Theater auf, bei dem Schauspielerinnen die Reinkarnationen ihrer Figuren werden.
Geschichten wie der von Bulleh Shah – und davon gibt es so viele in so vielen Kulturen – können eine Brücke sein zwischen uns, den Theatermachern und dem unerfahrenen aber enthusiastischen Publikum. Während wir auf der Bühne stehen, lassen wir uns manchmal von unserem Konzept von Theater mitreißen, von unserer Rolle als Vorboten sozialen Wandels, und dabei hängen wir einen großen Teil der Menschen ab.
Bei allem Engagement für die Herausforderungen der Gegenwart berauben wir uns der Möglichkeiten einer zutiefst bewegenden, spirituellen Erfahrung, die Theater bieten kann. In einer Welt, in der Heuchelei, Hass und Gewalt wieder auf dem Vormarsch sind, und unser Planet immer tiefer in eine Klimakatastrophe stürzt, müssen wir unsere spirituelle Kraft wieder auffrischen.
Wir müssen gegen die Gleichgültigkeit, Lethargie, den Pessimismus, die Gier und Rücksichtslosigkeit gegenüber unserer Welt und unserem Planeten ankämpfen. Theater spielt eine Rolle, eine edle Rolle, indem es die Menschheit stärkt und antreibt, sich aus dem Abgrund, in den sie sinkt, zu erheben. Es vermag die Bühne und den Spielort zu etwas Heiligem zu machen.
In Südasien berühren Künstlerinnen ehrfürchtig den Bühnenboden, ehe sie ihn betreten, eine uralte Tradition aus Zeiten, als das Spirituelle und das Kulturelle noch eng verbunden waren. Es wird Zeit, diese symbiotische Beziehung zwischen Künstlerinnen und Publikum, zwischen Vergangenheit und Zukunft zurückzugewinnen. Theatermachen kann eine heilige Kunst sein, und die Schauspielerinnen können sehr wohl die Avatare der Rollen werden, die sie spielen. Theater erhebt die Schauspielkunst auf eine höhere, spirituelle Ebene. Theater vermag ein Schrein zu werden, und der Schrein ein Theaterraum.

Den vollständigen Text finden Sie auf der Website des ITI unter https://www.iti-germany.de/ (Übersetzung vom englischen Original ins Deutsche: Henning Bochert, mit kleinen Anpassungen der gekürzten Fassung von Rainer Glaap, Bremen)

Märzbrief 2020

Liebe Theaterfreundinnen und Theaterfreunde,

am 27. März ist der Welttheatertag 2020. Die aus diesem Anlass – wie jedes Jahr – herausgegebene Botschaft des Internationalen Theaterinstituts, der weltweiten Organisation für Darstellende Künste, erhalten Sie in einer gekürzten Fassung zusammen mit diesem Brief.

In der Spielzeit 2018/2019 hatten wir u. a. eine Dokumentation des KNAUSGARD-PROJEKTES gefördert. Diese steht nun endlich vor der Fertigstellung. Im Mai (voraussichtlich am 13.5.) wird sie in einer musikalisch- literarischen Veranstaltung vorgestellt und den Theaterfreunden überreicht werden.

Ebenfalls für Mai oder sonst Juni planen wir eine TheaterReise nach Zürich, wo unser früherer Chefdramaturg Benjamin von Blomberg inzwischen Intendant des Schauspielhauses ist. Gleich in seiner ersten von ihm verantworteten Spielzeit wurde die dortige vom ebenfalls früher in Bremen tätigen Alexander Giesche inszenierte Produktion zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen. Angesichts der sich gerade auch in Europa ausbreitenden Corona-Epidemie müssen wir schauen, ob Reisen dann sinnvoll sind, und die Anmeldungen kurzfristig abfragen. Wir würden uns jedoch freuen, wenn Sie uns schon mal Ihr Interesse an dieser Reise mitteilen würden.

Erstmals werden wir in diesem Jahr außer dem üblichen Kurt-Hübner-Preis einen weiteren Preis verleihen: den Nachwuchspreis der Theaterfreunde. Wir erarbeiten gerade die Richtlinien und werden sie Ihnen in der Mitglieder- Versammlung am 6.7.2020 vorstellen.

Nach dem rassistischen Terroranschlag in Hanau werden die beiden sehr empfehlenswerten Produktionen AUS DEM NICHTS und DAS SCHWEIGENDE MÄDCHEN, die eigentlich aus dem Spielplan genommen werden sollten, weiter gespielt!

Weitere bemerkenswerte Veranstaltungen in der Übersicht:

Die nächsten Probenbesuche
°Mittwoch, 11.3. 19 Uhr Theater am Goetheplatz I BO5 FALSTAFF
°Dienstag, 7.4. 19 Uhr Theater am Goetheplatz I DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE
Anmeldung unter E-Mail uvandenbusch@t-online.de oder Telefon 0170 5748389

Die nächsten Premieren
°Sonntag, 15.3. 18 Uhr Theater am Goetheplatz I FALSTAFF
°Donnerstag, 9.4. 19:30 Uhr Theater am Goetheplatz I DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE
°Samstag, 11.4. 19 Uhr Brauhaus I LIKE A VIRGIN
°Freitag, 17.4. 20:30 Uhr Brauhauskeller I SCHÄFCHEN IM TROCKENEN
°Donnerstag, 30.4. 20 Uhr Kleines Haus I DIE MARQUISE VON O. …

Die nächsten Wiederaufnahmen
°Mittwoch, 15.4. 19:30 Uhr Theater am Goetheplatz I MÜTTER
°Samstag, 18.4. 19:30 Uhr Theater am Goetheplatz I DER LIEBESTRANK

Zum Letzten Mal
°Sonntag, 1.3. 10 Uhr Theater am Goetheplatz I DIE ROTE ZORA
°Sonntag, 8.3. 15:30 Uhr Theater am Goetheplatz I DER ROSENKAVALIER
°Sonntag, 5.4. 18:30 Uhr Kleines Haus I NANA KRIEGT KEINE POCKEN
°Freitag, 17.4. 20 Uhr Kleines Haus I THE END. EINE REPLIKANTENOPER
°Donnerstag,30.4. 19 Uhr Theater am Goetheplatz I ALCINA

Etwas Besonderes
°Sonntag, 8.3. 11:30 Uhr Foyer Theater am Goetheplatz I Matinee zu FALSTAFF
°Montag, 9.3. 19 Uhr Kleines Haus I Gastspiel DAS SIND WIR – Benefizabend
°Samstag, 14.3. 16 Uhr Brauhauskeller I WAND AUS GLAS
°Samstag, 21.3. 20 Uhr Kulissenkeller I SPOTLIGHT:ULRIKE MEYER
°Sonntag, 29.3. 18 Uhr Theater am Goetheplatz I Gastspiel DER LEISE STURM
°Montag, 30.3. 19:30 Uhr Kantine I DIE OPER KOCHT:JAKOB LENZ
°Sonntag, 19.4. 19 Uhr Tischlerei I SPOTLIGHT:CHRISTOPH HEINRICH
°Sonntag, 26.4. 11 Uhr Theater am Goetheplatz I SAISONPRÄSENTATION

Die nächsten TheaterTreffen
°Montag, 23.3. 20 Uhr noon I DAS GESPRÄCH mit dem Bühnenbildner THOMAS RUPERT und dem Professor für Digitale Medien RAINER MALAKA. Moderation Rainer Glaap.
°Montag, 20.4. 20 Uhr noon I DAS GESPRÄCH mit dem Schauspieler ALEXANDER ANGELETTA und der Schauspielerin DENIZ ORTA. Moderation Christine Gorny.

Mit Frühlingsgrüßen,
Ihre Ursula van den Busch