Kurt-Hübner-Preis 2022

Der Kurt-Hübner-Preis geht in diesem Jahr an die Sängerin Marysol Schalit. Den Kurt-Hübner-Nachwuchspreis erhält die 25-jährige Schauspielerin Shirin Eissa.

Fotos: Farina Holle und Jörg Landsberg


Die Begründung der Kurt Hübner-Preis-Jury 2022:

Marysol Schalit:
Seit der Spielzeit 2011/12 gehort die Sopranistin Marysol Schalit zum Musiktheaterensemble
am Theater Bremen. Sie begeisterte unter anderen als Gilda („Rigoletto“), Musetta („La
Boheme“) und Jenny Hill („Mahagonny“). In starker Erinnerung blieben ihre Verkörperungen
der Titelpartien in Hartmanns „Simplicius Simplicissimus“ und Bergs „Lulu“. Eine weitere
Titelpartie Marysol Schalits folgte mit Janáceks „Das schlaue Füchslein“ in der aktuellen
Spielzeit. Tatjana Gurbacas kluge Regie und ein – allen voran: Marysol Schalit –
spielfreudiges Ensemble schufen einen großen kleinen Opernabend.
Neben dieser Partie prägte Marysol Schalit als Pamina in Mozarts „Zauberflöte“ und Nannetta
in Verdis „,Falstaff“ zwei weitere spannende Opernproduktionen. Die Ansetzung dreier großer
Partien in drei Neuinszenierungen in direkter Folge war der Pandemie geschuldet. Marysol
Schalit begriff diese Herausforderung als Chance, die sie wunderbar zu meistern wusste.
Vergessen werden sollten dabei nicht die Wiederaufnahmen „Liebestrank“ und „Imagine“
Wenn man so will: fünf Hauptrollen in einer Spielzeit!
Im Haus und beim Bremer Publikum gilt Marysol Schalit nicht nur stimmlich, sondern auch
darstellerisch als ausgesprochen stark – Ausflüge in experimentellere Produktionen der
Schauspielsparte wie „,Faust hoch Zehn“ eingeschlossen.
Marysol Schalit wird das Theater Bremen mit dem Ende der Spielzeit als festes
Ensemblemitglied verlassen. Für die Jury ist die Verleihung aber kein Abschiedsgeschenk,
sondern die verdiente Würdigung einer beeindruckenden Leistung in der zu Ende gehenden
Spielzeit – und eine herzliche Einladung, auch in Zukunft wieder am Theater Bremen
vorbeizuschauen. Ein erster Gastauftritt ist für die kommende Spielzeit bereits geplant.

Shirin Eissa:
Der gebürtigen Hannoveranerin Shirin Eissa gelang es in ihrem zweiten Jahr am Theater
Bremen, ihre darstellerische Wandlungsfähigkeit auf mehreren Ebenen mit frappierendem
Nachdruck unter Beweis zu stellen. Die 25-jährige überzeugte die Jury in dem Vier-Personen-
Stück ,,Eileen“ ebenso wie im großen Ensemble als Ronja Räubertochter oder als sich ihrer
sehr bewussten Performerin in Felix Rothenhäuslers Installation „Picknick“. Sie behauptete
sich als anrührende Erna in „Kasimir und Karoline“ gegen die Bühnendominanz der dreifach
besetzten Titelfiguren und verlieh der an ihrer Liebe zweifelnden Wahida in der
Wiederaufnahme von „Vögel“ eindrucksvolle Präsenz.
Zu ihren stärksten Momenten im Großen Haus gehörten die fulminanten Auftritte als Ronja
Räubertochter, die sie mit derart praller Energie und strotzender Lebensfreude ausstattete,
dass nicht nur die Kinder im Publikum mitgerissen applaudierten. Die Auszeichnung mit dem
Nachwuchspreis ist nach Auffassung der Jury die schlüssige Folge angesichts der
herausragenden Leistung einer so vielseitigen wie vielversprechenden Schauspielerin in der
zu Ende gehenden Spielzeit 2021/22.

Laudatio zu Marysol Schalit von Tatjana Gürbeca

Laudatio zu Shirin Eissa von Alize Zandwjik

Laudatio zu Shirin Eissa von Theresa Schlesinger

Rede von Shirin Eissa